Kommissar für Menschenrechte Mike Heerlein enttäuscht vor Gericht durch Abwesenheit

Platz-Verweigerung am Anklagetisch

-Aus dem Gerichtssaal
Ein „Reichsbürger“ lehnt das Gericht ab und fordert einen Beistand. Der Betrugs-Prozess zieht sich in die Länge.

Von Alexander Schneider

SZ-Meissen 16.04.2012

Prozesse gegen sogenannte Reichsbürger haben ihre eigene Dynamik. Das geht schon damit los, dass sich die Angeklagten nicht auf ihren vorgesehenen Platz setzen wollen. Sie befürchten, sie könnten einen „Vertrag“ mit „einer Firma“ eingehen. Gerichte werden von Reichsbürgern abgehlehnt, wie auch die Bundesrepublik und ihre Gesetze in Gänze. Es gebe, argumentieren sie, ja nicht einmal eine Verfassung. Im Landkreis Meißen waren sie im November 2012 aufgefallen, als sie mit einer selbst ernannten Polizeitruppe einen Gerichtsvollzieher des Amtsgerichts bedrohten.

Wegen Betruges stand jetzt in Dresden Reichsbürger Siegfried B. vor dem Amtsrichter. Seit Anfang März muss er sich dort unter anderem wegen Betruges verantworten. Als Inhaber einer Finanzagentur in Dresden soll er Anleger in Dutzenden Fällen um rund 234.000 Euro erleichtert haben. Laut Anklage hat er ihnen irrsinnige Renditen versprochen. Für eine Einlage von 1000 Euro sollten sie eine Millionen zurückerhalten. Was sie bekommen haben, kann man sich denken. Seit Dezember sitzt B. in Untersuchungshaft.

Weil sich Siegfried B. selbst an einem dritten Verhandlungstag nicht setzt müssen auch die drei Wachtmeister stehen bleiben, die den 53-Jährigen bewachen. Der Angeklagte könne ja flüchten. Dabei macht Siegfried B. nicht den Eindruck, als wolle er ausbüxen. Er ist weder renitent noch auf Krawall aus. Neben seiner Platzverweigerung fällt der Mann eigentlich nur mit seinen merkwürdigen Formulierungen auf. Seinen Antrag, in dem er das Gericht abgelehnt, unterzeichnet er etwa mit „Mensch und Lebewesen Siegfried aus dem Hause B.“. Als Rechtsbeistand auf der Anklageband fordert er außerdem einen Mike H. aus Erfurt, angeblich ein „Kommissar für Menschenrechte“. Immer wieder ist von einer „Gemeinde Chemnitz auf Erden“ die REde. Der Eindruck drängt sich auf, Reichsbürger sind in einem anderen Universum unterwegs. Wenn man von dort kommt ist der Zusatz „auf Erden“ natürlich hilfreich.

Der Vorsitzende Richter Ullrich Stein bleibt gelassen und nimmt die Anträge des Angeklagten ernst. Ob Mike H. anwesend sei, fragt er ins Publikum. Ein Gleichgesinnter steht auf und stellt sich als „Daniel von Dresden aus der Vermögensphäre L.“ vor. Mike H. werde erwartet, sagt er. Er sei ein Anwalt für Menschenrechte. Doch die Hilfe aus Thüringen kommt nicht.

Unterdessen verlist der Richter das Vorstrafenregister des geforderten Beistands. Zwischen Oktober 2012 und Januar wurde Mike H. viermal zu Geldstrafen verurteilt – einmal wegen falscher Versicherung an Eides statt und dreimal wegen Beleidigung. Der Staatsanwalt äußert Bedenken zu dessen Eignung als Beistand.

Nuns soll H. mit entsprechenden Dokumenten glaubhaft machen, dass er als weiterer Prozessbevollmächtigter geeignet ist. Mehr passiert an diesem Prozesstag nicht. Zeugen weden abgeladen, neue Fortsetzungstermine bestimmt – bis Juni. Mehrere Dutzend Geschädigte müssen noch als Zeugen gehört werden.

Ganzen Artikel hier lesen: http://www.sz-online.de/nachrichten/platz-verweigerung-am-anklagetisch-2552073.html

Das angesprochene Buch finden Sie hier.

Vorwärts in die Vergangenheit – Von Gerhard Schumacher
http://www.reichsdeppen.pinkolatorium.com/index.php?action=dlattach;topic=1298.0;attach=965

http://de.scribd.com/doc/46310204/Vorwarts-in-die-Vergangenheit

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5 Kommentare

  1. Echt gutes Timing.
    Da weist mal eine Zeitung auf „Vorwärts in die Vergangenheit“ hin – und am selben Tag stirbt die Domain.
    Wenn da mal keine Verschwörung dahinter steckt…

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